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von Hans Schneeweiss

Es geht auch anders

Jan Trionow ist ein Mobilfunker der ersten Stunde. Im Interview spricht er über die Faszination der Telekommunikationsbranche, wettbewerbsverzerrende Reglementierungen, eine schöne Zukunft mit 5G und über soziale Medien.

Jan Trionow, 48, wurde auf der Insel Rügen in der ehemaligen DDR geboren. Noch während seines Studiums an der TU Dresden tauchte er in die Welt des Mobilfunks ein. Durch Mannesmann, der Eigentümer von Telering war, lernte er auch den österreichischen Markt und Wien kennen. Beim Start von Hutchinson Drei Austria, im Jahre 2003, wechselte er den Mobilfunker. Seit 2010 ist er CEO des Unternehmens. Er ist verheiratet und hat drei Kinder

Als ich das Bürogebäude gesehen habe, ist mir der Drei- Shop aufgefallen. Ein eigener Shop am Standort des Unternehmens ist selten.

Das war eine gute Gelegenheit, als wir den Standort ausgerüstet haben, da auch noch einen Shop reinzupacken. Damit haben wir auch noch jemanden im Haus, der spezialisiert ist auf die Anliegen der Kunden. Das ergibt eine gewisse Synergie.

Drei ist ja auch Service-Champion!

Ja, und es freut mich sehr, dass wir zum zweiten Mal in Folge bei diesem Test den Service-Champion gewonnen haben. Da wurden 70.000 Konsumenten österreichweit befragt. Das passt auch gut zu der Marke, mit der wir näher am Kunden sein wollen, denn Beratung gehört zu dem Thema immer mehr dazu. Gerade weil wir in Zukunft mehr als nur klassische Mobilfunkdienstleistungen anbieten wollen.

„Es geht auch anders“ ist der Slogan von Drei. Was bedeutet dieser kurze, prägnante Spruch für Sie?

Der liegt tief in den Wurzeln von Drei. Als wir 2003 als fünfter Betreiber in den Markt starteten, konnten wir uns schon damals in dem im Prinzip bereits gesättigten Markt nur konstituieren, indem wir die Dinge anders angingen als die etablierten Betreiber. Und das ist seitdem unser Motto, der Kern unserer Marke. Darüber hinaus auch ein großes Versprechen.

Sie sind auf der Insel Rügen geboren, haben in Dresden Elektrotechnik und Maschinenbau studiert. Haben Sie sich damals vorstellen können, dass es ein paar Jahrzehnte später statt Tastentelefonen kleine Mobiltelefone geben wird?

Also damals hab ich mir einiges noch nicht vorstellen können (lacht). Meine Kindheit und Jugend war gezeichnet von der ehemaligen DDR. Seitdem haben sich für mich viele Dinge extrem verändert. In meiner Jugend hab ich keinen Zugriff auf Telefonie gehabt, weil Telefonie eben nicht besonders weit verbreitet war in der DDR. Und heute lebe ich glücklich in Österreich und führe ein Telekommunikationsunternehmen. Dass sich so viel ändert und was sich konkret ändert, war damals in keiner Weise absehbar. Allein der Fall der Mauer war damals kaum vorstellbar.

Sie sind Mobilfunker der ersten Stunde. Was fasziniert Sie so an der Branche?

Diese Branche hat in nur wenigen Jahren einen unglaublichen Wandel vollzogen. Am Anfang hat man gedacht, dass der Mobilfunk etwas für die Reichen und Schönen sein wird. Relativ schnell ist er zu einem Massenmarkt-Produkt geworden. Dazu immer neue Technologien, ein sehr intensiver Wettbewerb – auch mit den neuen Internetspielern. Zum Glück haben wir es mit Drei geschafft, in all den Jahren immer weiter kontinuierlich zu wachsen, und deshalb ist es auch immer noch spannend, bei Drei zu arbeiten. SMS und MMS waren einmal Cashcows für Mobilfunker.

Wie wirken sich eben die Over-the-top-Dienste wie Facebook, WhatsApp oder Snapchat auf das Geschäft aus?

Das hat natürlich einen Einfluss auf unser Geschäft. SMS wurde weitgehend von Internetdiensten wie WhatsApp abgelöst. Darauf müssen wir uns immer wieder neu einstellen und mit eigenen innovativen Produkten punkten. DreiTV ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn man über den Wettbewerb zwischen Telekom- und Anbietern aus dem Internet redet, muss man aber auch das Thema Gleichbehandlung bei der Regulierung diskutieren. Als lokal tätiger Telekombetreiber unterliegen wir einer sehr strengen Regulierung. Viele Internetanbieter haben dieses enge Korsett nicht. Alle Unternehmen – egal ob ein amerikanisches Internetunternehmen oder ein in Österreich tätiger Mobilfunkunternehmer, der auch ins Netz investieren muss – brauchen Chancengleichheit.

Apropos DreiTV. Was bekomme ich, wenn ich mich bei DreiTV anmelde?

Auch bei DreiTV versuchen wir, unser Motto „Es geht auch anders“ zu leben. Traditionellerweise gibt es ja für TV eine Set-up-Box, die irgendwo im Wohnzimmer herumsteht. Heute werden aber viele Dinge via App geliefert, warum nicht auch TV? Als eine von vielen Apps, die der Kunde auf seinem Big Screen im Wohnzimmer nutzt. Deshalb haben wir DreiTV für die Plattformen entwickelt, die der Kunde schon jetzt zu Hause nutzt – sei es ein TV-Gerät, ein Fire-TV-Stick, Chromecast oder ein Android-TV von Sony. Die kann auch alles, was eine App auszeichnet. Nämlich dass sie sich beispielsweise immer weiterentwickelt und man sich immer über neue Features freuen kann.

Drei wirbt mit „Mehr Gigabyte, mehr Heiterkeit“ oder „Weit und breit mehr Gigabyte“. Aus einer Studie aus dem Jahre 2016 geht aber hervor, dass die Nutzer durchschnittlich nur 2,7 GB im Monat brauchen. Bei Drei gibt es Datenpakete mit 20 oder gar 40 GB!

Die Nutzung der Daten steigt immer weiter an. Mit unseren großen Datenpaketen sind wir bei unseren Kunden sehr erfolgreich. Vor Kurzem gab es eine Untersuchung, bei der weltweit die Datennutzung analysiert wurde. Rausgekommen ist, dass Drei Österreich Weltmeister bei der Datennutzung ist. Es gibt keinen Betreiber weltweit, bei dem mehr Daten pro SIM-Karte genutzt werden als bei uns.

Drei hat auch das beste LTE-Netz und ist Marktführer im mobilen Internet ...

Ein Teil unseres Erfolges ist natürlich der Netzausbau. Wir waren die Ersten, die ein landesweites 3G-Netz ausgerollt haben, auch beim 4G-Netz waren wir vorne mit dabei. Dabei redet die Branche schon über den nächsten Schritt: 5G. Wir haben mit unserem strategischen Lieferanten ZTE ein Innovationszentrum in Österreich aufgebaut, wo wir die 5G-Technologie heute schon testen und weiterentwickeln.

Die 5G-Frequenzen für Österreich werden bereits kommendes Jahr vergeben ...

5G wird eine extrem wichtige Investition in die Infrastruktur der Wirtschaft in Österreich sein. Da geht es um Robotik, Industrie 4.0 – am Ende des Tages wird jedes einzelne Gerät mit dem Internet verbunden sein. Dafür brauchen wir eine neue Dimension von Netz, das eine deutlich höhere Dichte von Usern, höhere Geschwindigkeiten und geringe Latenzzeiten unterstützt. All das kann 5G liefern. Dafür müssen wir heute am Standort Österreich arbeiten, damit die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Da geht es um die Verringerung der Kosten des Netzausbaus, vereinfachte Genehmigungsverfahren, ein geeignetes Regulierungsregime bezüglich Innovationen. Diese Dinge diskutieren wir derzeit mit der Regierung im Rahmen einer 5G Task Force.

Seit Kurzem gibt es auch IoT Complete, eine CE-zertifizierte IoT-Box mit Temperatur- und Feuchtigkeitssensor. Steigt Drei jetzt auch in den Markt des Internets der Dinge ein?

Das Internet der Dinge ist eines der großen Wachstumssegmente der Branche. Mit der IoT-Box haben wir eine Box entwickelt, die zum einen integrierte Sensoren hat, an die man via Bluetooth weitere Sensoren anschließen kann. Auf der anderen Seite haben wir damit aber auch eine Plattform geschaffen, mit der man die Anwendungen managen kann. Das sind Dinge, mit denen heute Unternehmen und Bastler Erfahrung sammeln können. Aber dabei wird es natürlich nicht bleiben. Das Internet der Dinge wird in absehbarer Zeit unser gesamtes Privat- und Geschäftsleben beeinflussen.

Sie sind kein fleißiger Facebook-Poster und auch auf Twitter fand ich gar nichts Persönliches. Nutzen Sie diese Dienste etwa gar nicht?

(Lacht.) Man hat natürlich eine gewisse Zwickmühle, wenn man so exponiert ist wie ich. Natürlich nutze ich die sozialen Medien auch, aber mein Privatleben möchte ich nicht in großem Stil exponieren. ■