Leaders

von Andreas Aichinger

Boom oder Buzz?

Viele globale Trends – sowohl neue als auch bisher unterschätzte – haben das Potenzial, Österreichs Wirtschaft schon bald nachhaltig zu verändern. Wir nennen die sechs spannendsten.

Wann ist ein Trend ein wirkmächtiger Trend? Welche Entwicklungen haben wirklich das Vermögen, einen echten Boom zu befeuern? Und wann driftet einfach nur ein neues Buzz-Word durch die Medien, das aber nie so richtig in der Realität ankommt oder schon bald wieder vergessen ist? Gerade in einer Welt, die in Coachings gerne mit dem Akronym VUCA (Volatility, Uncertainty, Complexity and Ambiguity) für Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit beschrieben wird, steigt naturgemäß auch in den Führungsetagen von Unternehmen das Interesse an Orientierung. Orientierung im Wirrwarr sogenannter globaler „Megatrends“. Da gibt es spektakuläre Tech-Trends, die wirklich in aller Munde sind, man denke nur an die Blockchain oder das Internet der Dinge. Gleichzeitig werden Entwicklungen immer manifester, die den Menschen wieder stärker im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sehen und neue Möglichkeiten aufzeigen, wie der Wettstreit um qualifizierte Mitarbeiter gewonnen werden kann. Und dann sind da die schlafenden Riesen unter den Trends, von denen man zwar im Prinzip schon seit längerem weiß, deren Nicht-Berücksichtigung im Tagesgeschäft aber massenhaft leere Meter und Extrakosten verursacht. Bestes Beispiel dafür ist das Thema Wissensmanagement:

1. Der Wert des Wissens. Alles begann mit handschriftlichen Notizen, die Mitarbeiter auf einige Produktionsmaschinen geklebt hatten. Als Georg Meusburger diese Aufzeichnungen eines Tages bemerkt, schaltet der Gründer des gleichnamigen Vorarlberger Familienunternehmens schnell: Er lässt die Notizen sammeln, katalogisieren und am Computer ins Reine schreiben, da er im gesammelten Anwender-Wissen seiner Mitarbeiter einen potenziellen Wert erkennt – das Rad des Wissens soll ja nicht permanent neu erfunden werden müssen. Das war vor über 20 Jahren. Heute lenkt Sohn Guntram Meusburger als geschäftsführender Gesellschafter die Geschicke der international erfolgreichen Gruppe, die auf die Produktion von Normalien spezialisiert ist. Und aus der Notizen- Sammlung seines Vaters hat Guntram Meusburger längst ein professionelles System für Wissensmanagement entwickelt. Eines, das Vorbildcharakter hat:

Unternehmenswissen managen. Diese „WBI“ (Wissen besser integrieren) getaufte Methode konzentriert das angesammelte Unternehmenswissen nachhaltig und macht es Mitarbeitern auf zeitgemäße Art zugänglich. Guntram Meusburger: „Nur durch den strategischen und organisierten Umgang mit der Ressource Wissen ist es möglich, das Unternehmen konsequent weiterzubringen.“ Tatsächlich wird die vorbildliche Handhabung dieser Wissens-Werte heute als ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg der expandieren Gruppe angesehen. Mehr noch: Die firmeneigene Methodik des Wissensmanagements wurde mittlerweile neutralisiert und wird im Rahmen einer eigenen Tochterfirma anderen Betrieben unabhängig von Größe und Branchenzugehörigkeit angeboten. Guntram Meusburger ist überzeugt, dass nur so das „Potenzial eines Unternehmens voll ausgeschöpft“ werden kann. Sein Tipp: „Ich kann allen Eigentümern und Geschäftsführern nur anraten, sich mit dem Thema Wissensmanagement auseinanderzusetzen.“

2. Blockchain-Boom. Wenn es in den letzten Jahren einen Begriff gegeben hat, der in keinem Buzzword-Bingo fehlen durfte, dann ist das die ominöse „Blockchain“. Und sie hat tatsächlich die Power für einen echten Boom: Dahinter verbirgt sich vereinfacht gesagt eine neue Form von fälschungssicheren Datenbanken für Werte, Verträge und Informationen. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass über diese, auf verknüpften „Ketten von Datensätzen“ basierende, Technologie in zehn Jahren sage und schreibe zehn Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes abgewickelt werden könnten. Vor allem Transparenz und Sicherheit der dezentral gespeicherten Blockchains werden als Vorteile ins Treffen geführt. Und dazu natürlich die erheblichen Einsparungsmöglichkeiten, da die digitalen Transaktionen der Zukunft dank Blockchain ohne zwischengeschaltete Stelle – man denke nur an Banken, Behörden oder Notare – möglich sein werden. Erste konkrete Anwendungen gibt es bereits: So wurde in Schweden das Grundbuchregister mithilfe einer Blockchain modernisiert, um Bearbeitungszeiten zu reduzieren und Kosten zu sparen.

Patricia Neumann, Geschäftsführerin von IBM Österreich, bringt das revolutionäre Potential von Blockchain mit einem vielsagenden Vergleich auf den Punkt: „Ähnlich wie das Internet den Austausch und die Weitergabe von Daten revolutioniert hat, wird Blockchain geschäftliche Transaktionen auf digitaler Ebene neu definieren.“ Die Möglichkeit, das Vertrauen und die Transparenz über ganze Wertschöpfungsketten zu erhöhen, würde die Art der Zusammenarbeit von Organisationen und Personen völlig verändern, so Neumann. „Blockchain ist ein Teamsport. Der Kooperationsgedanke dominiert in der Entwicklung der neuen Technologie: 71 Prozent der aktiven Blockchain-Nutzer glauben, dass Industriekonsortien wichtig sind, um Blockchain weiter voranzutreiben.“

Walmart & Erste Bank. Tatsächlich sitzt IBM auch international in der Blockchain-Poleposition, wie ein ganz konkretes und anschauliches Anwendungsbeispiel – nämlich die Lieferkette für Lebensmittel – zeigt. In parallelen Tests in China und in den USA haben IBM und Supermarkt-Riese Walmart bereits vorgezeigt, wie die Blockchain-Technologie genutzt werden kann, um ein Produkt innerhalb von Sekunden vom landwirtschaftlichen Erzeuger bis ins Einkaufsregal lückenlos nachzuverfolgen. Auch Frank Yiannas, Vice President Food Safety bei Walmart, sieht großes Potenzial in puncto Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln und Lebensmittelsicherheit: „Die Blockchain-Technologie ermöglicht volle Transparenz im weltweiten Lebensmittelsystem und wird so verantwortungsvolles Verhalten von allen Beteiligten noch weiter fördern.

Aber auch in der Bankenbranche will man die Entwicklung nicht verschlafen und setzt auf Kooperation: Anfang Oktober kündigte die Erste Group an, an einer neuen Handelsplattform namens „Batavia“ in Kooperation mit IBM mitarbeiten zu wollen. Mit an Bord sind bereits internationale Großbanken wie UBS, die Bank of Montreal, die CaixaBank sowie die Commerzbank. Die Grundidee ist, Finanztransaktionen künftig schneller, kostengünstiger und gleichzeitig transparenter abwickeln zu können. Und vor allem: Dank Blockchain können Zahlungen nach jedem einzelnen dokumentierten Schritt automatisch freigegeben werden. Bereits 2018 sollen erste Pilottransaktionen mit Kunden durchgeführt werden.

3. Generationengerechte Jobs. Die demografische Entwicklung einer alternden Gesellschaft ist heute zweifellos eine der zentralen Herausforderungen, und zwar keineswegs nur für das Pensionssystem. Was dabei nicht zu übersehen ist: Vonseiten der Privatwirtschaft – vom Öffentlichen Dienst ganz zu schweigen – gibt es noch immer viel zu wenige Anstrengungen, um ältere Menschen länger, vor allem aber auch gesund und motiviert, im Arbeitsprozess zu halten. Denn genau das zu tun, würde eigentlich schon der unternehmerische Eigennutz gebieten: Es steht einfach zu viel an Wissen, Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen auf dem Spiel, um all das vorschnell am Renten-Altar zu opfern. Die Medizinerin, Psychotherapeutin und Unternehmensberaterin Irene Kloimüller hat den Handlungsbedarf auf diesem Gebiet bereits früh erkannt. Und die Logik dahinter ist für die Expertin nahezu zwingend. Kloimüller: „Das Potenzial an Jungen ist klein, das Potenzial erfahrener, nicht mehr ganz junger Menschen aber ist vorhanden. Alternsgerechtes Employer Branding heißt somit, attraktiv für alle Altersgruppen zu sein.“ Ein erster Schritt könnte sein, sich von einschlägigen Vorurteilen zu verabschieden. Größere Gehaltsunterschiede zwischen Jung und Alt beispielsweise wären „eigentlich nur mehr in wenigen Branchen“ – Kloimüller nennt Banken, Versicherungen und teilweise auch öffentliche Organisationen – anzutreffen. Und auch das Vorurteil, dass Ältere nicht mehr so lernfähig wie Jüngere wären, bekämpft die Expertin energisch: „Diese Aussage ist schlichtweg falsch und zudem diskriminierend. Bei Sinnbezug, Praxisrelevanz und altersgerechter Didaktik ist der Lernerfolg älterer Mitarbeiter mindestens so gut wie jener jüngerer.“

Head of Health & Age. Der zentrale Ansatzpunkt ist für Kloimüller, generell eine neue Unternehmenskultur unter dem Aspekt der „alternsgerechten“ oder auch generationengerechten Arbeitsgestaltung zu etablieren. Ihre Definition dazu: „Alternsgerechte Arbeitsgestaltung bedeutet für mich, die Stärken wie Bedürfnisse von Jung und Alt zu kennen und zu berücksichtigen. Und die Entwicklung vom Berufseinritt bis zum Pensionsantritt zu fördern, also Menschen zu fordern und zu fördern, egal in welchem Alter jemand im Berufsleben steht.“ Vor einigen Jahren hat Kloimüller übrigens für das Sozialministerium den NESTORGOLD, das österreichische Gütesiegel für alters- und alternsgerechte Unternehmen und Organisationen, entwickelt. Nicht zuletzt, um das Bewusstsein für den besonderen Wert älterer Mitarbeiter zu stärken sowie die Umsetzung konkreter Maßnahmen zu fördern. Ideen und Best-Practice-Beispiele dazu gibt es längst. So könnten ältere, erfahrene Mitarbeiter beispielsweise als „Rekrutierungs-Scouts“ eingesetzt werden. „Meist verfügen langjährige Mitarbeiter über große soziale Netzwerke, die weit über den Betrieb hinausreichen“, so Kloimüller. Bei der Dornbirner Zumtobel Group ist man bereits einen Schritt weiter: Mit der Schaffung einer „Head of Health & Age“ getauften Führungsposition unterstreichen die Vorarlberger den Stellenwert von Gesundheit und Generationenmanagement für das Unternehmen.

4. Die Daten der Dinge. Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) markiert einen weiteren Meilenstein in Sachen Digitalisierung. Das Marktforschungsunternehmen Gartner geht davon aus, dass bis ins Jahr 2020 mehr als 20 Milliarden „Dinge“ über einen Online-Zugang verfügen werden. Doch während man sich den Sinn komplexer Fertigungsroboter mit Internet-Anschluss durchaus ausmalen kann, fehlt gelegentlich auch in Sachen IoT noch die Fantasie für Einsatzbereiche mit Mehrwert. In Zell am See hingegen hat Hygiene-Spezialist Hagleitner genau diese Fantasie bereits erfolgreich in die Tat umgesetzt. Und zwar in Form von vernetzten Waschräumen, die eine ganz gezielte Bestückung mit Verbrauchsmitteln wie Seife oder Papier ermöglichen. Konkret funken die Spender für Schaumseife, Papierhandtücher oder Desinfektionsmittel ihre durch Sensoren bestimmten Füllstände an eine Basisstation, die ihre Daten auf einen Cloud-Speicher ablegt und somit online verfügbar macht. Und zwar in Echtzeit auf Smartphones, Tablets oder Desktop-PCs. Geschäftsführer Hans Georg Hagleitner sieht die Herausforderung ganz grundsätzlich: „Wer vernetzen will, muss beim eigenen Denken anfangen. Unsere Spender sprechen für sich: Sie funken in eine Cloud, wie es um sie bestellt ist – und machen den Waschraum digital.“ Die Vorteile der Auswertung von Verbrauchsdaten liegen aus Sicht des nach Eigendefinition „modernsten chemisch-technischen Produktionsbetriebs im Hygienesektor“ in ganz Europa auf der Hand: Wegzeiten des Reinigungspersonals können reduziert, Nachfüllintervalle sowie Nachbestellungen und Lagerkapazitäten optimiert werden. Fehlfunktionen oder auffällige Nicht-Nutzung können rasch bemerkt und behoben werden.

Waschraum & Kuscheltier. Last but not least kann ein Betreiber auch die Kosten eines Waschraumbesuchs pro Gast genau beziffern und bei der Kalkulation seiner Eintrittspreise berücksichtigen. Das innovative Familienunternehmen hat seine „senseMANAGEMENT“ getaufte Technologie bereits in Waschräumen eines lokalen Krankenhauses sowie im neuen Rapid-Stadion auf den Boden gebracht. Für Hans Georg Hagleitner hat die Zukunft des Internets der Dinge aber noch viel mehr Fantasie: „Über kurz oder lang wird sich alles in dieser Cloud wiederfinden, vom Auto bis zur Armbanduhr. Hagleitner arbeitet – Hand in Hand mit Global Players wie Audi, Kärcher und Swarovski – schon heute daran.“

Doch es gibt auch Gefahren. Denn alles was im Netz ist, kann auch zum Angriffsziel für Cyberangriffe werden. Bei einem IoT-Fachkongress im Oktober sorgten Spezialisten vom „Austrian Internet of Things Network“ mit einem Live-Hack für Aufsehen. Eindrucksvoll wurde dabei demonstriert, wie einfach die Kontrolle über ein WLAN-Netz samt der angeschlossenen Geräten – von einer smarten Steckdose über ein Babyfon bis hin zu einem vernetzten Kuscheltier – übernommen werden kann. Und selbstverständlich ist diese Gefahr auch für Fertigungsmaschinen, Webcams und Co ganz real. Tatsache ist: Das Internet der Dinge bietet potentiellem Missbrauch reichlich Angriffsfläche, der mit Optimierung hinsichtlich Sicherheit und Standardisierung begegnet werden muss.

5. Mitarbeiter im Mittelpunkt. Gerade angesichts fortschreitender Digitalisierung und Automatisierung werden aber auch die menschliche Arbeitskraft und vor allem Fragen der (Aus-)Bildung und Qualifikation immer wichtiger. Das gilt besonders für den Wettbewerb um jene Arbeitskräfte, die nachgefragte Erfordernisse auch wirklich mitbringen. Und dieser Wettbewerb wird sich – auch jenseits der heißbegehrten „High Potentials“ – wohl weiter verschärfen. Kein Wunder also, dass sich Unternehmen verstärkt bemühen, als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Umso besser, wenn diese Bemühungen perfekt mit Markenbotschaft und Unternehmensphilosophie harmonieren, wie etwa bei der Drogeriemarktkette dm. „Die Grundidee von dm besteht im Selbstverständnis als Wirtschaftsgemeinschaft. Daher stehen die Menschen – als Kunden, Mitarbeiter, Partner, Gesellschaft – seit jeher im Mittelpunkt unseres Handelns“, bestätigt Martin Engelmann, Vorsitzender der Geschäftsführung des dm Teilkonzerns Österreich/ CEE. Die logische Konsequenz daraus: „Für die Mitarbeiter in dieser Gemeinschaft wollen wir daher auch nicht bloß Einkommensplätze, sondern Arbeitsplätze schaffen, in denen der Beruf nicht eine schlichte Erwerbsquelle ist, sondern sinnstiftender Teil des persönlichen Lebens.“

Sinnstiftung und Gesundheit. Auf diese Weise sollen dm-Mitarbeiter auch die Möglichkeit bekommen, sich „als Mensch entwickeln“ zu können, so Engelmann. Zentrale Assets im Kampf um die besten und motiviertesten Mitarbeiter sind dabei vor allem die Aspekte Wertschätzung, Gesundheit und Familienfreundlichkeit. Bereits im Jahr 2014 wurden im Rahmen einer Zertifizierung als familienfreundlicher Betrieb mehr als 20 Maßnahmen definiert, um Arbeitsbedingungen je nach Lebensphase bestmöglich zu gestalten. Dazu zählen unter anderem besonders flexible Arbeitszeitmodelle und die aktive Begleitung der Mitarbeiterinnen – Frauen sind im Unternehmen deutlich in der Mehrheit – vor und nach einer Karenz. Beim Thema Gesundheitsvorsorge wiederum setzt dm auf Bewusstseinsbildung durch „Gesundheitstage“ und so genannte „Gesundheitsbotschafter“. Diese geben ihr Wissen im Rahmen von Gesundheits-Checks weiter und zeigen auf, wie gesundheitlichen Problemen vorgebeugt werden kann. Eine ausführliche Befragung aus dem Jahr 2016 legt nahe, dass das Unternehmen damit offenbar auf dem richtigen Weg ist: 93 Prozent der Mitarbeiter sehen in dm einen „sehr guten“ Arbeitgeber.

6. Zeitalter der Dienstleistungen. Werden Konsumenten in Zukunft immer weniger Güter, und dafür deutlich mehr Dienstleistungen kaufen? Noch ist nichts fix, aber: Sollte wirklich Realität werden, was Experten und Trendgurus mit dem Label „Everything as a Service“ (alles als Dienstleistung) bedacht haben, so könnte auch Österreichs Wirtschaftslandschaft in absehbarer Zeit massiv verändert werden. Und es hat – man denke an „gemietete“ Software – längst begonnen: Konsumenten und Unternehmen werden Dinge nicht mehr besitzen müssen, um sie zu nutzen. Grundlegende Bedürfnisse lassen sich in Form von neuartigen Komplett-Dienstleistungen, verfügbar gemacht über clevere Apps, elegant befriedigen. Am Beispiel „Mobility as a Service“ (MaaS) lässt sich das besonders gut zeigen. Michael Kieslinger, Gründer von Fluidtime, Österreichs führendem Anbieter von IT-Systemen für integrierte Mobilität, holt zu einer Erklärung aus: „Stadtbewohner oder Pendler sollen sich nicht mehr mit dem eigenen PKW fortbewegen, sondern mit einem Mix aus örtlich zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln.“ Doch damit nicht genug:

MaaS-Start in Schweden. „Mussten bisher alle Transportservices extra gesucht, gebucht und bezahlt werden – sei es digital per App oder physisch etwa beim Ticketautomaten – so gibt es bei MaaS eine intermodale Mobilitätslösung für alle integrierten Services.“ Das Reisen von A nach B würde damit „günstiger, bequemer und einfacher“ werden, so der Fluidtime-CEO, der zu Jahresbeginn 75 Prozent seiner Firma an Kapsch TrafficCom verkauft hat. Den Beweis für die genannten Thesen will das Unternehmen demnächst gemeinsam mit dem lokalen Start-up UbiGo in Schweden antreten: Über eine intermodale App sollen schon bald Öffis, Carsharing, Ridesharing, Mietautos und Taxis genutzt werden können. Die Österreicher zeichnen für die gesamte technische Umsetzung der neuen Mobilitätslösung verantwortlich. Das MaaS-Pilotprojekt startet im März 2018 in Stockholm, bis Ende 2018 ist die vollständige Markteinführung geplant. „MaaS sorgt für das ideale Zusammenspiel zwischen privaten, öffentlichen und geteilten Transportarten“, bringt Michael Kieslinger die Zukunft der Mobilität aus seiner Sicht auf den Punkt. Speziell Autobauer sollten verstärkt auf Nutzungsverträge mit Städten oder Mobilitätsanbietern setzen, meint der MaaS-Experte. Und tatsächlich riecht Kieslingers Rat nach Revolution: „Die Autoindustrie sollte auf neue Geschäftsmodelle setzen, die nicht länger einzelne Autobesitzer anvisieren.“ ■