Leaders

von Alexander Kohl

Alles in Bewegung

Fast alle großen Transformationsprozesse der Gegenwart wirken auf den Energiesektor ein und sorgen dafür, dass dort kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. Doch Österreichs Energiebranche stellt sich den Herausforderungen.

Es ist eine bewegte Zeit für die Energiebranche. Althergebrachte Systeme lösen sich auf, Digitalisierung und erneuerbare Energien mischen die traditionellen Marktmodelle völlig durch und sogar das Wetter spielt mehr und mehr verrückt: In Zeiten des Klimawandels treiben Extremwetterereignisse sämtliche Infrastrukturbereiche immer wieder an ihre Grenzen und auch darüber hinaus. Auch Energieunternehmen müssen sich daher zunehmend mit diesem Phänomen beschäftigen.

Das war auch für die Energie AG und ihren neuen CEO Werner Steinecker im heurigen Sommer nicht anders. Nach dem schweren Orkan im August waren verschiedene Regionen Oberösterreichs von zahlreichen Stromausfällen betroffen. Doch man war nicht unvorbereitet: „Wir kennen diese extremen Wettereignisse nun schon seit Jahren, egal ob Hochwasser oder Sturm“, meint Steinecker. Daher habe man die besonders störungsanfälligen Freileitungen im Mittel- und Niederspannungsnetz bereits vor einiger Zeit abgebaut und durch Erdkabel ersetzt. „Ohne diese Vorkehrungen wäre das Ausmaß beim diesjährigen Sturmereignis wesentlich größer gewesen. Insgesamt werden wir eine 100-prozentige Sicherheit aber nie erreichen können“, so Steinecker.

Die permanente und zuverlässige Versorgung mit Energie und Daten ist jedoch aufgrund der Elektrifizierungs- und Digitalisierungswelle der vergangenen Jahre unumgänglich. Die Welt wird vernetzter, alles passiert gleichzeitig, Informationen stehen uneingeschränkt zur Verfügung. „Die Digitalisierung ist neben der Dekarbonisierung und Dezentralisierung der Stromerzeugung eine der Herausforderungen für die Energiewirtschaft“, betont auch Werner Steinecker. „Wir müssen uns immer mehr Themen wie etwa Blockchain, Industrie 4.0, künstlicher Intelligenz sowie dem Internet der Dinge stellen.“

Wie aber schreitet die Digitalisierung generell unter den heimischen Energieunternehmen voran? APG-Vorstandsvorsitzende Ulrike Baumgartner-Gabitzer sieht Österreich gutauf dem Weg. Im Versorgungssystem seien die Stromnetzbetreiber wie die APG selbst schon sehr weit fortgeschritten: „Wir haben schon vor Jahren den Betrieb unseres Netzes voll automatisiert“, so Baumgartner-Gabitzer. Nun habe die Bundesregierung auch die gesetzlichen Grundlagen für die flächendeckende Installation von Smart Meters in allen österreichischen Haushalten geschaffen. Was der APG-Chefin derzeit aber viel mehr Sorgen bereitet, ist die geplante Auftrennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone. Mit der Einführung eines künstlichen Engpasses zwischen den beiden Ländern würden weder das Problem innerdeutscher Netzkapazitäten noch die angespannte Leitungssituation in Tschechien und Polen gelöst. „Dafür aber den einzigen derzeit in Europa funktionierenden grenzüberschreitenden Strommarkt zu opfern, kann nicht im Sinne der Vertiefung des EU-Binnenmarktes sein“, kritisiert Baumgartner-Gabitzer. Momentan ist noch nicht absehbar, welche Auswirkung die Trennung der gemeinsamen Strompreiszone AT-DE auf die Stromtarife in Österreich hätte – preislich würde vor allem die energieintensive Industrie getroffen werden und damit der Wirtschaftsstandort Österreich insgesamt. Ganz grundsätzlich müsse man aber feststellen, dass die Entscheidung Signalwirkung für den – von vielen Seiten geforderten – europäischen Strombinnenmarkt habe, und so erklärt Baumgartner-Gabitzer: „Die bevorstehende Strompreiszonen-Trennung ist diesbezüglich mit Sicherheit kein Fortschritt.“

Die Trennung der Zone AT-DE soll die Stromnetze entlasten, die derzeit immer wieder große Mengen an Windstrom aus den Nordsee-Regionen über Drittländer in die Pumpspeicherwerke der Alpen liefern. Vielfach sind die Netze für die großen, dezentral anfallenden Strommengen nicht gerüstet, denn der Ausbau der erneuerbaren Energien ist europaweit auf dem Vormarsch. So auch in Österreich, wo im Sommer nach langen und zähen Verhandlungen die kleine Novelle des Ökostromgesetzes beschlossen wurde. „Die Novelle wird mit Sicherheit wieder neuen Schwung in den Ausbau der Ökostromerzeugung für die nächsten drei bis vier Jahre bringen“, meint Magnus Brunner von der Abwicklungsstelle für Ökostrom (OeMAG). Damit können in den nächsten Jahren rund zwei bis drei Prozent der österreichischen Stromversorgung zusätzlich durch erneuerbare Energie aus Wind, Kleinwasserkraft und Fotovoltaik gedeckt und einige Biogasanlagen weiter in Betrieb gehalten werden. Der Abbau der Warteliste bei Windkraftanlagen und auch die Antragstellung für Biogasanlagen haben bereits im Oktober begonnen. Nun gäbe es schon erste Gespräche zu einer großen Novelle des Ökostromgesetzes, so Brunner: „Bis dato wurde nur prinzipiell erläutert, in welche Richtung es auf der Grundlage der neuen europäischen Vorschriften gehen soll. Die Verhandlungen werden aber erst nach der Installierung einer neuen Regierung weitergehen.“

Laut Stefan Moidl von der IG Windkraft ist ein „großer Wurf“ für den Ökostrom in Österreich jedenfalls unumgänglich. Derzeit würden zwar Sondermittel für 120 Anlagen mit 350 Megawatt Windkraftleistung zur Verfügung gestellt, wenn man aber keine große Lösung vorantreibe, würde man den generellen Fortschritt der Erneuerbaren riskieren. Mit der „kleinen Novelle“ sei man also noch nicht über den Berg, wie Moidl betont: „Wichtig ist aber auch, im Vorfeld zu klären, wohin die Reise in der Klima- und Energiepolitik in Österreich bis 2030 gehen soll. Denn wenn wir das Pariser Klimaschutzabkommen ernst nehmen, müssen wir sehr rasch auf 100 Prozent erneuerbare Stromversorgung aus heimischer erneuerbarer Energie umstellen. Und dafür braucht es einen deutlich höheren Ausbau.“

Dieser Plan könnte auch die angeschlagene Pelletindustrie stärken, die unter den seit 2013 stetig gesunkenen Preisen leidet. „Ein erfolgreicher Umstieg auf erneuerbare Energie im Heizungsbereich wird ohne CO2-Steuer beziehungsweise die Aufhebung des steuerlichen Heizölprivilegs kaum möglich sein“, meint etwa Christian Rakos von proPellets Austria. Aktuell ist die Nachfrage bei Pelletheizungen stark eingebrochen. Der Hauptgrund dafür liegt, so Rakos, im Verfall der Ölpreise der letzten Jahre. Erst vergangenes Jahr – als die Förderungen bereits zurückgefahren waren – führte dieses niedrige Preisniveau wieder zu einer Nachfragesteigerung. „Nun findet der Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zurück“, wie Gerlinde Hofer, Geschäftsführerin der BP in Österreich, weiß. Der Mineralölverbrauch betrug hierzulande 2016 beispielsweise 11,1 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Anstieg von drei Prozent gegenüber dem vorangegangenen Jahr. Der Absatz von Benzin blieb mehr oder weniger unverändert, jener von Dieselkraftstoff stieg gegenüber 2015 um 4,2 Prozent an und übertraf neuerlich den Spitzenwert des Jahres davor.

Die globale Energienachfrage war 2016 angesichts eines Wachstums von lediglich einem Prozent im dritten Jahr in Folge schwach. Sie belief sich auf lediglich rund die Hälfte des durchschnittlichen Wachstums der zurückliegenden zehn Jahre. „Gemäß unserem BP Energy Outlook wird der weltweite Energiebedarf zwischen 2015 und 2035 um circa 30 Prozent steigen“, sagt Gerlinde Hofer. Dieser Anstieg wird durch den wachsenden Wohlstand in Entwicklungsländern getrieben; China und Indien konnten bereits voriges Jahr einen Anteil am Nachfragewachstum von nahezu 50 Prozent für sich verbuchen.

Technologische Verbesserungen und Umweltbelange verändern aber nachhaltig den Mix der Primärenergienachfrage. Mit einer Wachstumsrate von zwölf Prozent erwiesen sich die erneuerbaren Energien wieder als der am schnellsten wachsende Energieträger. Auch wenn sie immer noch lediglich einen Anteil von vier Prozent an der gesamten Primärenergie ausmachen, entfiel nahezu ein Drittel des Gesamtwachstums der Energienachfrage des Jahres 2016 auf die Erneuerbaren. „Öl und Erdgas, gemeinsam mit Kohle, werden jedoch bis zum Jahr 2035 die wichtigsten Energieträger bleiben“, so Hofer. Langfristig rechnet BP dabei mit einem eher niedrigen Ölpreis.

Dass der Markt im Öl- und Erdgasgeschäft in Schwung kommt, zeigt sich auch bei der OMV AG, die sich aktuell wieder auf einem profitablen Wachstumskurs befindet. „Wir steigern unsere Öl- und Gasproduktion. Wir intensivieren den Verkauf und Handel von Erdgas. Wir investieren in die Höherveredelung unserer Raffinerieprodukte. Wir haben ein striktes Kostensenkungsprogramm implementiert, und ein leistungsfähiges Cashflow-Management führt zu hoher Finanzkraft“, fasst OMV-Generaldirektor Rainer Seele zusammen. Das alles seien Ergebnisse einer neuen Unternehmensstrategie im schwieriger werdenden Marktumfeld.

Die Trendwende wurde 2017 erreicht und die OMV zeigt sich mit guten operativen Leistungen. Zudem hat der österreichische Mineralölkonzern im Juni dieses Jahres eine verheißungsvolle strategische Partnerschaft mit der Gazprom gestartet. Rainer Seele und Alexey Miller, Chairman von Gazprom, unterzeichneten eine Absichtserklärung für koordinierende Aktivitäten zur Entwicklung einer Gastransportinfrastruktur, die für Erdgaslieferungen nach Zentral- und Südosteuropa erforderlich ist. Weiters beabsichtigen die Parteien in einem gemeinsamen Projekt an der russischen Schwarzmeerküste ein kleines LNG-Produktionsterminal umzusetzen, sowie auch beim Transport, der Vermarktung und dem Verkauf der LNG-Produktion zu kooperieren. Diese geplante Zusammenarbeit könnte nun aber zu unvorhergesehenen Nachwirkungen führen. Denn durch die angedrohten härteren US-Sanktionen gegen Russland sollen auch sämtliche Unternehmen mit Sanktionen belegt werden, die dabei helfen, russische Gas- und Ölpipelines zu bauen oder zu betreiben. Das beträfe beispielsweise das gemeinsame Pipelineprojekt Nord Stream 2, das die Kapazität der bestehenden Ostseepipeline verdoppeln soll.

Trotz drohender Sanktionen seitens der USA stellt Seele die Zusammenarbeit mit der russischen Gazprom aber keinesfalls infrage: „Wir halten an unserer Strategie fest und werden eine neue Kernregion Russland im Portfolio möglichst schnell aufbauen.“ Für eine finale Einschätzung bezüglich der Auswirkungen der US-Sanktionen sei es noch zu früh, so der OMV-Chef, der noch einige juristische Analysen und Stellungnahmen zu dem bisher vorliegenden Ermächtigungsgesetz für Sanktionen gegen Russland einholen möchte. Eines jedoch sei jetzt schon klar: „Wir stehen weiterhin fest zu diesem Investitionsprojekt und werden im Rahmen der Möglichkeiten Nord Stream 2 bei der Realisierung unterstützen, denn die europäische Energieversorgung ist immer noch eine europäische Angelegenheit und nicht eine der USA“, betont Seele.

Eine weitere strategische Zukunftskooperation hat die OMV mit dem heimischen Energieunternehmen Verbund lanciert – in diesem Fall allerdings mit völlig anderen Inhalten. Die Partnerschaft will den „Transformationsprozess am Energiemarkt“ unterstützen und zahlreiche Projekte bezüglich E-Mobilität und „grünem Wasserstoff“ forcieren. Für beide Unternehmen ist das Thema Wasserstoff hinsichtlich der Mobilität eines der Zukunftsszenarien, denn der Treibstoff- Mix an der Tankstelle der Zukunft wird ein sehr breiter sein. Deshalb stieg die OMV kürzlich beim Verbund-Siemens- Joint-Venture „Smatrics“ mit einer Beteiligung von 40 Prozent ein. Smatrics ist der Komplettanbieter für Dienstleistungen rund um das Thema Elektromobilität und betreibt als erstes Unternehmen ein flächendeckendes Hochleistungsladenetz in ganz Österreich, das zu 100 Prozent aus Grünstrom von Verbund gespeist wird. Inzwischen umfasst das Netz rund 400 Ladepunkte.

Der flächendeckenden Transformation des Verkehrssystems in Richtung E-Mobilität steht also nicht mehr viel im Wege. Auch die Bereitstellung des Stroms scheint kein allzu großes Problem zu sein. „Durch die Umstellung des Pkw-Straßenverkehrs auf Elektromobilität ergäbe sich bei durchschnittlichem Verbrauch und durchschnittlicher Fahrleistung ein zusätzlicher Strombedarf von rund neun Terawattstunden Strom, also etwa 13 Prozent vom aktuellen österreichischen Gesamtbedarf“, weiß Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber. Kann dieser Mehrbedarf an Grünstrom aus heimischer Erzeugung gedeckt werden? „Ja“, ist sich Anzengruber sicher, dafür brauche es aber auch mehr energie- und klimapolitische Weichenstellungen für die nächsten Jahre. „Eine Roadmap für die Reduktion bis hin zum nahezu vollständigen Ausstieg aus CO2, eine Ablöse fossiler Energieträger durch Strom aus erneuerbaren Quellen (zum Beispiel durch Elektromobilität), tragfähige Lösungen für Energiespeicherung und eine Stärkung der Netzinfrastruktur.“

Auch EVN-Sprecher Stefan Zach sieht die Energiezukunft in Österreich klar erneuerbar: „Klimaschutz bedeutet auch, dass wir künftig deutlich weniger fossile Energieträger im Verkehr und für die Beheizung unserer Wohnräume verwenden. Deshalb engagieren wir uns beispielsweise bei der Schaffung einer leistungsfähigen Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Niederösterreich.“ Elektrofahrzeuge seien aber nur dann sinnvoll, wenn der verwendete Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stamme, so Zach: „Österreich hat hier mit seinem Reichtum an Wasser, Wind, Sonne und Biomasse gute Voraussetzungen. Wir werden aber neue Ökokraftwerke brauchen, damit die E-Mobilität in Österreich zu 100 Prozent ökologisch sein kann.“ Trotz vieler Anstrengungen bei Energiesparen und Energieeffizienz steigt der Strombedarf jedes Jahr um ein bis zwei Prozent. „Das klingt wenig, in zehn Jahren sind das aber 20 bis 30 Prozent Verbrauchszuwachs“, gibt Zach zu bedenken. Außerdem müssten die Verteilnetze für die vielen neuen Stromtankstellen deutlich ertüchtigt werden, so Zach: „Die Bereitstellung des Ökostroms für die Elektromobilität wird jedenfalls eine große Herausforderung für die österreichischen Energieunternehmen.“

Bei der Salzburg AG setzt man schon seit einigen Jahrzehnten klar auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Und wir tun das künftig noch mehr“, betont Vorstandssprecher Leonhard Schitter. „Wir wollen bis 2020, bei positiven wirtschaftlichen Voraussetzungen, den Anteil von Strom aus eigener Erzeugung um weitere zehn Prozent steigern.“ Dabei sieht Schitter in der Wasserkraft nach wie vor einen Schwerpunkt: „Wasserkraft hat, sowohl in Österreich, aber gerade auch in Salzburg, weitere Potenziale. Wir prüfen und verfolgen behutsam mehrere Projekte.“ Allein in diesem Jahr investiert der Salzburger Energieversorger fast 30 Millionen Euro in die Modernisierung von Wasserkraftwerken, Fotovoltaik- oder Biomasse- und Ökoenergie Anlagen. Das Wasserkraftwerk Gries im Pinzgau ist derzeit im Bau und das Speicherkraftwerk Dießbach wird bis Sommer 2018 zum Pumpspeicherkraftwerk ausgebaut. 36.000 Megawattstunden Grünstrom werden damit bereitgestellt. Die Kombination der Bestandsanlage in Dießbach mit einem Unterbecken und 24 Matrixpumpen anstelle einer großen Pumpe garantiert dabei höchste Flexibilität beim Ausgleich der schwankenden Erzeugung von Wind und Fotovoltaik. „Das ist eine Kombination, die derzeit in Österreich einzigartig ist“, so Schitter. Künftig müssen jedoch sicher mehrere Möglichkeiten geschaffen werden, um die volatilen Strommengen der Erneuerbaren wirkungsvoll speichern und verwenden zu können

Eine weitere Möglichkeit – neben Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen – bietet die Power-to-Gas-Methode. Mit dieser Zukunftstechnologie kann in großem Stil Sonnen- und Windenergie als Methangas gespeichert, wirtschaftlich rentabel transportiert und jederzeit verfügbar gemacht werden. Die Infrastruktur dafür ist bereits vorhanden, nämlich die Leitungen und unterirdischen Speicher für Erdgas. „Europa setzt auf erneuerbare Energieträger. Trotzdem muss verlässlich Energie geliefert werden können – rund um die Uhr. Dies ermöglicht der Energieträger Gas“, fasst RAG-Generaldirektor Markus Mitteregger zusammen. Die RAG (Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft) beschäftigt sich neben der klassischen Förderung auch mit der Herstellung von Gas aus erneuerbaren Energien und Biogas. Dafür wurde schon vor zwei Jahren in Pilsbach in Oberösterreich eine Forschungsanlage errichtet. Ihr Name: Underground Sun Storage. In diesem Projekt wird die Beimengung von aus Wind- und Sonnenenergie erzeugtem Wasserstoff zu Erdgas und Methan in einer natürlichen Gaslagerstätte erforscht.

Nun soll auf Basis der vielversprechenden Ergebnisse von Underground Sun Storage das weltweit einzigartige Forschungsprojekt „Underground Sun Conversion“ starten. Dabei soll es erstmals möglich werden, direkt in einer Erdgaslagerstätte Erdgas durch einen von der RAG gezielt initiierten mikrobiologischen Prozess natürlich zu „erzeugen“ und ebendort zu speichern. „Dieses Verfahren kopiert und wiederholt den natürlichen Prozess der Entstehung von Erdgas, aber um Jahrmillionen verkürzt: Erdgeschichte im Zeitraffer also“, wie Markus Mitteregger diesen innovativen Vorgang bezeichnet. Das Ziel ist, vorhandene (Poren-) Erdgaslagerstätten als natürliche „Reaktoren“ zu nutzen. So finden sowohl der Methanisierungsprozess als auch die Speicherung auf natürlichem Weg in untertägigen Gesteinsschichten statt. Beabsichtigt ist nun auch, die gewonnenen Ergebnisse auf ihre Übertragbarkeit in anderen Lagerstätten zu prüfen – und zwar weltweit. „Die Exportpotenziale wären riesig, denn das Problem der saisonalen Speicherung erneuerbarer Energie besteht überall“, erklärt der RAG-Generaldirektor.

Wenn sich also Underground Sun Conversion in anderen Lagerstätten kopieren lässt, wäre das ein weiterer Meilenstein für den Technologiestandort Österreich und würde dessen führende Position im Bereich der erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Wieder ein Beweis dafür, dass meist die bewegten Zeiten in einer Branche zu den besten Innovationen und nachhaltigsten Lösungen führen. ■